VIRTUAL INFLUENCER I VIRTUAL MODEL
Virtuelle Influencer oder virtuelle Models sind künstlich erschaffene digitale Figuren, die mit Hilfe von 3D-Design, Animation und künstlicher Intelligenz entwickelt werden. Obwohl sie nicht real existieren, treten sie auf Social-Media-Plattformen wie Instagram oder TikTok so auf, als wären sie echte Menschen. Sie haben ein eigenes Aussehen, eine Persönlichkeit und posten regelmäßig Inhalte, arbeiten mit Marken zusammen oder machen Werbung. Ein bekanntes Beispiel ist Lil Miquela, die Millionen Follower hat, obwohl sie komplett digital ist.
Trotz ihrer Professionalität und der Vorteile für Unternehmen können virtuelle Influencer echte Models und Influencer nicht vollständig ersetzen. Der wichtigste Grund dafür ist die fehlende Echtheit: Virtuelle Figuren haben keine eigenen Erfahrungen, Gefühle oder echten Erlebnisse, die sie teilen können. Genau diese Authentizität ist jedoch ein zentraler Faktor dafür, warum Menschen Influencern folgen und ihnen vertrauen. Zuschauer möchten sich mit einer realen Person identifizieren, ihre Geschichten nachvollziehen und echte Emotionen sehen.
Darüber hinaus spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. Bei realen Influencern ist für die Follower nachvollziehbar, dass hinter Empfehlungen und Aussagen eine tatsächliche Person mit eigenen Erfahrungen und Überzeugungen steht. Virtuelle Figuren hingegen bleiben zwangsläufig konstruiert und kuratiert, was eine gewisse Distanz schafft und die wahrgenommene Glaubwürdigkeit einschränken kann. Insbesondere spontane Reaktionen, individuelle Meinungen oder auch unperfekte, behind-the-scene Momente – die im Social-Media-Kontext häufig besonders hohe Resonanz erzeugen – lassen sich bei digitalen Charakteren nur bedingt überzeugend reproduzieren.
Hinzu kommt ein entscheidender praktischer Faktor, insbesondere im Fashion-Segment: Marken und Auftraggeber buchen Models nicht ausschließlich für Shootings oder digitalen Content, sondern gezielt auch für physische Einsätze. So werden Models aus Lookbooks regelmäßig für Runway-Shows engagiert, um Kollektionen live zu inszenieren und erlebbar zu machen. Ebenso werden Influencer bewusst zu Launch-Events, Store-Openings oder exklusiven Brand Experiences eingeladen, um vor Ort Präsenz zu zeigen, authentischen Content zu produzieren und in direkten Austausch mit Community, Presse und Branchenpartnern zu treten. Diese Form der persönlichen Interaktion, Inszenierung im Raum und unmittelbaren Markenerfahrung lässt sich durch virtuelle Models oder Influencer nicht adäquat abbilden.
Zusammengefasst sind virtuelle Influencer eine interessante Ergänzung im Marketing und bieten neue kreative Möglichkeiten, werden aber echte Models und Influencer nicht ablösen, weil ihnen das fehlt, was für Social Media am wichtigsten ist: Persönlichkeit, physische Präsenz und Glaubwürdigkeit.
Als Model solltest Du wissen, dass Marken digitale Figuren auch auf Basis echter Menschen erstellen können. Achte deshalb in Verträgen darauf, ob Deine Fotos, Scans oder Videos für digitale Nachbildungen genutzt werden dürfen, und stimme dem nur zu, wenn das ausdrücklich geregelt und bezahlt ist. Als Influencer konkurrierst Du bei manchen Kampagnen mit virtuellen Figuren um Budgets, und dabei sind Deine echte Persönlichkeit, Deine Community und Deine Glaubwürdigkeit Dein stärkstes Argument.
Siehe auch: Werbung, Follower, Authentizität, Lookbook.
