WAS SOLLTE ICH ÜBER DIE AGENTURSTRUKTUR EINES NEUEN MARKTS WISSEN, BEVOR ICH ANKOMME?!
Diese Frage ist eine der wichtigsten die ein Model vor einem internationalen Placement stellen kann – und gleichzeitig eine die viel zu selten vollständig beantwortet wird. Wer einen neuen Markt betritt ohne die Agenturstruktur zu kennen, navigiert blind in einem System das sehr klare Regeln hat. Diese Regeln im Voraus zu kennen ist kein Luxus sondern die Grundlage für ein funktionierendes Placement.
Wer ist dein Hauptbooker und wie erreichst du ihn?
Das klingt banal und ist es nicht. In einem aktiven Placement-Markt hat ein Booker täglich Kontakt mit dutzenden Models, hunderten von Klienten-Anfragen und einem permanenten Strom von Castings, Buchungen und Absagen. Wer in diesem System nicht auf dem richtigen Kanal kommuniziert, fällt durch das Raster.
Der primäre Kommunikationskanal unterscheidet sich fundamental je nach Markt. In Paris und London ist E-Mail der professionelle Standard – spontane WhatsApp-Nachrichten an einen Pariser Booker wirken unprofessionell außer wenn die Beziehung bereits besteht. In Marrakesch und den meisten lateinamerikanischen Märkten ist WhatsApp der absolut dominierende Kanal – wer nur per E-Mail kommuniziert, wartet unter Umständen Tage auf eine Antwort. In Seoul und Bangkok funktioniert beides parallel – aber Antwortzeiten auf Buchungsanfragen sind sehr kurz und sofortige Reaktion wird erwartet. In Manila ist WhatsApp Standard und persönliche Wärme im Ton der Nachrichten ist buchungsrelevant. In Tokyo ist E-Mail formal und präzise – keine informellen Nachrichten, keine Emojis, immer respektvoller Ton.
Darüber hinaus: wer ist bei Urlaub oder Krankheit des Hauptbookers die Vertretung? In kleinen Agenturen gibt es manchmal nur einen Booker der das Profil betreut. Wenn dieser Person nicht erreichbar ist und ein kurzfristiges Casting eingeht, kann das eine verpasste Buchung bedeuten. Im Voraus klären wer die Backup-Kontaktperson ist.
Wie viele Agenturen gibt es im Markt und wie funktioniert die Exklusivität?
In jedem Placement-Markt gibt es mehrere Agenturen – aber die Frage ist ob du als Model der Partneragentur exklusiv gebunden bist oder parallel andere Agenturen bedienen kannst und darfst.
In Paris arbeiten die meisten internationalen Models exklusiv mit ihrer Partneragentur. Das Mother-Agency-System ist klar strukturiert: JNG vermittelt an eine Pariser Partneragentur die die vollständige lokale Buchungsverantwortung übernimmt. Zu einer anderen Pariser Agentur zu gehen wäre ein Vertragsbruch.
In Seoul und Bangkok ist das System offener: manche Partneragenturen erlauben oder erwarten sogar dass das Model bei mehreren lokalen Agenturen registriert ist um das Buchungsvolumen zu maximieren. Das ist marktspezifisch und muss im Voraus geklärt werden.
In Miami und New York gibt es oftmals eine Sonderform: Mother-Agency-exklusive Bookings für große Kampagnen aber gleichzeitig die Möglichkeit für bestimmte Direct-Bookings bei Klienten die direkt anfragen. Auch das ist vertragsabhängig.
Die wichtigste Regel: niemals eigenmächtig den Kontakt zu einer zweiten lokalen Agentur aufnehmen ohne die Partneragentur und JNG vorher zu fragen. Was in einem Markt normal ist kann in einem anderen ein gravierender Vertragsbruch sein.
Wie funktioniert die Bezahlstruktur und was wird wann abgerechnet?
Das Bezahlsystem auf einem Placement ist für viele Models intransparenter als es sein sollte – und genau diese Intransparenz ist eine der häufigsten Quellen von Frustration und Missverständnis.
Die Balance wurde bereits in anderen FAQ-Abschnitten erklärt – aber im Kontext der Agenturstruktur gibt es wichtige marktspezifische Unterschiede.
In europäischen Märkten (Paris, London, Mailand) sind die Abrechnungsstrukturen in der Regel gut dokumentiert und transparent. Honorare werden nach fest vereinbarten Zahlungszielen ausgezahlt – oft netto 30 bis 60 Tage nach dem Shooting. Agenturen in diesen Märkten sind rechtlich gut strukturiert und Abrechnungen sind nachvollziehbar.
In asiatischen Märkten (Seoul, Bangkok, Manila) gibt es Variationen. Manche Agenturen zahlen monatlich aus, manche direkt nach jedem Job, manche erst am Ende des Placements. Diese Information im Voraus zu kennen ist entscheidend für die finanzielle Planung des Aufenthalts.
In Märkten mit Währungsinstabilität (Argentinien, Türkei, teils Indien) kommt die Frage der Währung hinzu: wird die Gage in lokaler Währung ausgezahlt oder in EUR oder USD? Bei volatilen Währungen kann die Gage in lokaler Währung zwischen Buchung und Auszahlung erheblich an Wert verlieren. Das ist kein theoretisches Risiko sondern ist Models in Buenos Aires und Istanbul konkret passiert.
Folgende Fragen sollten vor Antritt des Placements beantwortet sein: Wann wird die Balance das erste Mal abgerechnet? Wie oft wird ausgezahlt? In welcher Währung? Welche Kosten werden der Balance belastet und welche sind vom Klienten direkt übernommen? Gibt es eine Garantiezahlung oder ist alles buchungsabhängig?
Welche lokalen Verhaltensregeln gelten für Agenturbesuche in diesem Markt?
Jeder Markt hat ungeschriebene Regeln die buchungsrelevant sind. Wer sie kennt, hat einen sofortigen Vorteil. Wer sie nicht kennt, macht vermeidbare Fehler.
In Paris ist der Go-See eine formelle Angelegenheit. Man erscheint pünktlich – eher fünf Minuten früher als auf die Minute. Man klopft und wartet. Man begrüßt auf Französisch auch wenn das Gespräch dann auf Englisch geführt wird. Man lässt sich Zeit – ein gehetzter Auftritt signalisiert Unsicherheit. Man verlässt den Raum mit einem höflichen Au revoir und dankt dem Booker für die Zeit.
In Seoul wird bei Go-Sees sehr auf das äußere Erscheinungsbild geachtet – saubere Kleidung, makellose Haut, gepflegte Haare sind keine Basics sondern buchungsrelevante Entscheidungskriterien. Tätowierungen sollten wenn möglich bedeckt sein – in koreanischen kommerziellen Produktionen sind sichtbare Tattoos in der Regel ein Buchungshindernis.
In Tokyo ist Stille ein Zeichen von Respekt. Laut zu telefonieren in der Agentur, laut zu lachen oder allgemein viel Lärm zu erzeugen wird als störend wahrgenommen. Eine ruhige, aufmerksame Präsenz ist das Ideal.
In Manila wird der erste Eindruck stark durch soziale Wärme geprägt. Ein freundliches Lächeln, eine herzliche Begrüßung, echtes Interesse an der Person gegenüber – das sind buchungsrelevante soziale Signale die in der philippinischen Geschäftskultur sehr ernst genommen werden.
In Istanbul wird Beziehungsaufbau über transaktionale Effizienz gestellt. Ein kurzes persönliches Gespräch vor dem eigentlichen Go-See-Zweck ist kulturell erwartet und höflich. Wer sofort zur Sache kommt ohne eine kurze menschliche Verbindung herzustellen, wirkt kalt.
In Mumbai und Delhi wird Hierarchie stark beachtet. Der Senior-Booker oder Agenturchef wird mit explizitem Respekt behandelt. Direkte Kommunikation über die Köpfe von Hierarchie-Ebenen hinweg ist kulturell ungeschickt.
Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen gelten für Models in diesem Markt?
Das ist ein Aspekt der in der Vorbereitung fast immer vernachlässigt wird – und der in kritischen Situationen entscheidend sein kann.
Jeder Markt hat spezifische gesetzliche Regelungen die Models als ausländische Arbeitnehmer betreffen. Diese umfassen Arbeitserlaubnis und Visum-Status, steuerliche Registrierungspflichten, Schutzrechte für Models als Arbeitnehmer, und in einigen Märkten spezifische Model-Schutzgesetze.
In Frankreich gilt seit 2017 das Loi n° 2017-235 zum Schutz minderjähriger Models – ein spezifisches nationales Gesetz das strenge Bedingungen für die Arbeit unter 16-jähriger Models definiert. Für alle Models relevant: das französische Recht am eigenen Bild (droit à l’image) ist sehr stark und verlangt dass alle Bildnutzungen vertraglich explizit geregelt sind.
In den USA ist das Visa-System für arbeitende Models das komplexeste unter allen Placement-Märkten. Unter ESTA ist bezahlte Arbeit nicht erlaubt – wer in den USA bucht braucht ein O-1B oder P-1 Visum. Das wird in unserem Miami-Guide ausführlich behandelt und ist eine Information die vor der Abreise vollständig verstanden sein muss.
In Südkorea haben Models als Vertragspartner spezifische Rechte unter dem Korean Entertainment Industry Fair Trade Agreement. Das Entertainmentrecht in Korea ist in den letzten Jahren stark reguliert worden – auch durch öffentlichen Druck nach Missbrauchsfällen in der K-Pop-Industrie.
In den Philippinen schützt das Cybercrime Prevention Act Social-Media-Verhalten in beide Richtungen: Es schützt Models vor Online-Belästigung aber reguliert auch was Models über Klienten und Arbeitgeber online kommunizieren dürfen.
In Marokko gilt Islamisches Recht als Grundlage des Rechtssystems – das bedeutet konkrete Verbote (Drogen, öffentlicher Alkohol, Homosexualität) die ohne Ausnahme für alle auf marokkanischem Staatsgebiet gelten und die Models kennen müssen bevor sie einreisen.
In den arabischen Golfstaaten (Dubai, Abu Dhabi, Doha) gelten ähnliche rechtliche Rahmenbedingungen mit islamischer Rechtsgrundlage. Dubai ist am liberalsten reguliert aber dennoch klar islamisches Recht. Katar und Saudi-Arabien sind strenger.
Darüber hinaus gibt es in jedem Markt Regelungen zu Steuerpflicht für ausländische Arbeitnehmer, zu Doppelbesteuerungsabkommen und zur korrekten steuerlichen Behandlung von Honoraren. Diese sind in den einzelnen Marktguides der Guide-Serie spezifisch und ausführlich behandelt.
Die generelle Regel für alle Märkte: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Das ist kein Rechtsgrundsatz der nur in Deutschland gilt – er gilt universell. Wer nicht weiß dass in Marokko Cannabis trotz des verbreiteten Angebots illegal ist, trägt trotzdem die Konsequenzen wenn er erwischt wird.
Wo finde ich alle diese Informationen zuverlässig und vollständig?
Das ist die entscheidende Frage – und sie hat eine klare Antwort.
Wir haben für genau diesen Zweck die Market Guide Serie entwickelt. Diese Guide-Serie behandelt alle relevanten Märkte mit vollständigen 26-Kapitel-Strukturen die spezifisch auf die Bedürfnisse internationaler Models ausgerichtet sind.
Jeder Guide der Serie enthält präzise Informationen zu genau den Themen die in dieser FAQ behandelt werden:
Die Agenturstruktur des jeweiligen Markts mit Informationen zu Partneragenturen, Buchungslogik und Go-See-System. Die Kommunikationskultur und die ungeschriebenen Verhaltensregeln für Agenturen und Sets. Die vollständige Visum- und Einreisesituation für deutsche Staatsbürger. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen die für Models in diesem Markt relevant sind – inklusive Arbeitsrecht, Model-Schutzgesetze, Steuerrecht und DBA-Situation. Die Bezahlstruktur und Währungssituation. Die Saison- und Buchungslogik des Markts. Konkrete Kostenpläne für Lebenshaltung, Transport und Alltag. Sicherheitshinweise die spezifisch auf die Realität des jeweiligen Markts eingehen.
Diese Dokumente sind keine generischen Reiseführer. Sie sind spezifisch für Models geschrieben, auf Basis von Branchen-Insider-Wissen entwickelt und enthalten Informationen die in keinem anderen öffentlich verfügbaren Format in dieser Tiefe und Spezifität existieren.
Bevor du ein Placement antrittst: lies den entsprechenden Guide. Vollständig. Nicht diagonal. Die Zeit die du in die Lektüre investierst zahlt sich in den ersten Tagen im Markt durch Sicherheit, Klarheit und professionelles Auftreten aus – und damit direkt in buchungsrelevante Ergebnisse.
